Der Jud‘ ist schuld!

Juni 24, 2008

Wenn man sich als Atheist, so zu sagen als Aussenstehender, mit Religionen und deren Geschichte beschäftigt, wird man gerne als Religiöser belächelt, der sich nicht „outen“ möchte. Doch durch das betrachten religiöser Ideen und deren Werdensgeschichte, lassen sich, auch heute noch, viele politische Vorgänge besser erklären, auch wenn diese vordergründig gar keinen religiösen Hintergrund zu haben scheinen. Das prominenteste Beispiel ist hier der Antisemitismus und sein perfider Bruder, der „Antizionismus“. Doch alles der Reihe nach.

Der europäische Antisemitismus hat seinen Ursprung in der Legende der „Christusmörder“. Für die frühen europäischen Christen stand eines fest: Wenn die Juden es schaffen, den Sohn Gottes am Kreuze sterben zu lassen, dann müssen sie erstens das absolut Böse sein und zum anderen extrem mächtig. So wurde den jüdischen Gemeinden im Mittelalter alles in die Schuhe geschoben, was an Katastrophen und Unglücken gerade gelegen kam: die Pest, Hungersnöte, Kriege, etc. Das die Juden ebenfalls an der Pest starben, Hungerlitten und im Krieg umkamen sind Details, die den überzeugten Antisemiten bis heute nicht in seiner „Argumentation“ stören. Auch Martin Luther, der oftmals als Vater der Glaubensfreiheit dargestellt wird, fabulierte 1543 „Von den Juden und ihren Lügen“. Solch ein, vom Who-is-who der christlichen Vordenker, zementiertes Feindbild taugt natürlich als Sündenbock für so ziemlich alles. Als dann der Geheimdienst des zaristischen Russlands, mit den „Protokolle[n] der Weisen von Zion“ die Legende einer jüdischen Weltverschwörung erfand, stieß dies natürlich auf offene Ohren. „Man hat’s ja schon immer gewusst: Der Jud‘ ist schuld!“ Der rassistische Antisemitismus der Nazis ist dann lediglich der erbärmliche Versuch, den christlichen Antisemitismus in einen „natürlichen bilogischen“ Rahmen zu setzen. Die Lutheraner hatte der Führer dabei sicher auf seiner Seite. So schrieb der lutheranische Landesbischof Martin Sasse 1938: „Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen. (…) In dieser Stunde muss die Stimme des Mannes gehört werden, der als der Deutschen Prophet [Martin Luther] im 16. Jahrhundert einst als Freund der Juden begann, der getrieben von seinem Gewissen, getrieben von den Erfahrungen und der Wirklichkeit, der größte Antisemit seiner Zeit geworden ist, der Warner seines Volkes wider die Juden.

Doch neben dem christlichen Antisemitismus existiert auch noch der islamische Antisemitismus. Dieser fusst auf der islamischen Teilung der Gesellschaft. Der Islam kennt drei „Klassen“ von Menschen: Muslime (besitzen volle Rechte), Dhimmis (Christen, Juden, Zoroastrier, geduldete Nichtmuslime, Menschen „zweiter Klasse“), Harbis (Sowohl Atheisten, Polytheisten, als auch andere Nichtmuslime, die nicht unter islamischer Herrschaft stehen, Rechtlose). In dieser klassischen Einteilung sind Juden benachteiligte, wie alle anderen, wenn auch hier schon die Juden als „erbittertste Gegner des Glaubens“ gelten. Der heute zu Tage tretende Antisemitismus eines Ahmadinedschad hat seine Wurzeln in den 1930er Jahren. Damals exportierte der Naziradiosender „Radio Zeesen“ den christlichen Antisemitismus in den Nahen Osten. „Radio Zeesen“ verbreitete Nazipropaganda, die wie oben geschildert auf den christlichen Ressentiments beruht, in arabischer, persischer und türkischer Sprache. So wurden auch die „Protokolle der Weisen von Zion“ in der islamischen Welt populär, auf die sich auch heute noch die Terrororganisation Hamas in ihrer „Charta“ beruft. Spätestens nach der Gründung Israels hatte sich die christliche Wahnvorstellung von einer „jüdischen Weltverschwörung“ auch in der islamischen Welt durchgesetzt, in der sie bis heute als Mehrheitsmeinung überdauert, während im post-christlichen Europa sich eine neue Spielart des Antisemitismus verbreitet hat: der „Antizionismus“.

Der klassisch-christliche Antisemitismus ist in Europa praktisch nur noch bei den Hohmanns und Ratzingers zu finden, wenn diese über Tätervölker schwadronieren oder für das „Seelenheil“ der Juden beten und damit ihren eigenen Starrsinn meinen. Der neue Antisemitismus kommt ohne Antisemiten aus, wie schon der Publizist Henryk M. Broder kürzlich vor dem Innenausschuss des Bundestages anmerkte. Der Antizionist ist der Judenhasser von heute. Doch sein Objekt des Hasses ist nicht der Jude, sondern Israel, der „Staat gewordene Jude“. Auch wenn dieser „Antizionismus“ nicht mehr religiös ist, bedient er sich doch der gleichen Stereotypen und Verallgemeinerungen. Die „jüdische Weltverschwörung“ wird kurzerhand durch die „Israel-Lobby“ ersetzt. Und aus dem „Brunnenvergifter“ wird das „Besatzerregime in Palästina“. Das all diese Verallgemeinerungen und Stereotype der israelischen Realität nicht nahe kommen, bzw. dieser eklatant widersprechen, stört den Antizionisten genauso wenig, wie die jüdische Realität den Antisemiten stört.

Dazu ein paar Fakten: 75 % der Israelis sind Juden, davon 42 % aus muslimischen Ländern (oftmals Vertriebene), 20 % sind muslimische Araber, die restlichen 5 % verteilen sich auf andere Minderheiten, wie Armenier, Drusen, arabische Beduinen und andere. Desweiteren ist Israel der einzige Staat des Nahen Ostens, der demokratisch ist und die Menschenrechte garantiert. Die oft von Antizionisten vorgebrachte Behauptung, dass Israel in großem Stil die Araber vertrieben habe, ist gelinde gesagt schwachsinnig. Ein Großteil davon ging freiwillig während des Krieges von 1948 (der von den arabischen Nachbarstaaten begonnen wurde), um nicht im Weg zu sein, wenn „die Juden ins Meer getrieben“ werden. Hier wird von westlichen Antizionisten, genauso, wie von den Terrororganisation Hamas und Hisbollah, sowie Berufsantisemiten wie Ahmadinedschad ein „Rückkehrrecht“ angemahnt. Vom „Rückkehrrecht“ der aus arabischen Staaten vertriebenen Juden spricht freilich niemand, dazu sind sich Antizionisten und Antisemiten schlicht zu ähnlich.

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Das Wort zum Ostersonntag

März 22, 2008

Und so begab es sich, dass Judas Ischariot seinen Sektenguru Joshua ben Joseph, der später als Jesus Christus bekannt werden sollte, verriet. Eine von der Nachwelt sehr geschätzte Tat, da sie half den Sektenguru zum Gott erklären zu können. Leider mobbten die restlichen Sektierer Judas in den Selbstmord. Die Römer hingegen waren froh einen Unruhestifter und Putschisten beseitigen zu können. Sie nagelten besagten Deliquenten an eine Querlatte, zogen diese an einem Baum herauf und nagelten zwei Podeste an den Baumstamm, eines zum Stehen und eines zum Sitzen. Das Podest zum Sitzen hing etwas tiefer, so dass der Verurteilte um seine Beine zu entlasten und sich zu setzen, sich an seinen Armen hängen lassen musste, was ihm das Atmen fast unmöglich machte. So verstarb Joshua ben Joseph aka. Jesus nach wenigen Stunden. Keine besonders lange Zeit; die Römer kreuzigten auch öfter Deliquenten auf Zeit, so dass es dem Zufall überlassen wurde, ob sie nach zwei Tagen entweder tot oder frei waren.

Nun hätte die Geschichte mit dem Ableben des Aufrührers zu Ende sein können, so wie es für viele judäische Sektengurus zur damaligen Zeit das Ende war. Nur kamen seine Anhänger auf die pfiffige Idee einen Zombiekult um seine Person zu spinnen, indem sie behaupteten er sei von den Toten auferstanden, sei zum Zombiejuden geworden und per Fahrstuhl zu seinem „Vater“ in den Himmel entrückt worden.

Als der christliche Zombiekult dann im Laufe der Jahrhunderte nach Europa schwappte, wurden die alten Feste zu ehren der heidnischen Götter kurzerhand in christliche „Feste“ umgedeutet. So feiert denn dann die Christenheit am heutigen Wochenende nicht etwa Ableben und Zombiewerdung eines jüdischen Sektenführers, sondern eigentlich die Fruchtbarkeitsgöttin Ostara, nach der auch das Osterfest noch immer benannt ist und an dem man kleine Kinder nach Eiern als Zeichen der Fruchtbarkeit suchen lässt. Wenn das nur auch der Hitlerjunge Ratzinger bzw. Papst Benny der Zuvielte wüsste . . .

HAPPY OSTARA!


Ist die Wahrheit schlecht für Kinder?

Februar 8, 2008

Das unserer christlich-fundamentalistisch orientierten Bundesgebärministerin Ursula von der Leyen unterstellte Familienministerium meint: ja! Wie kommen die Herschaften darauf? Nun, sie streben eine Indizierung des Kinderbuchs „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel“ an.

 Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel

Die Geschichte des Buches ist schnell erzählt: Ferkel und Igel entdecken ein Plakat, dass einen gewissen „Gott“ anpreist. Da beschließen die beiden besagten „Gott“ zu finden und befragen dazu einen Rabbi, einen Priester und einen Mufti. Die beiden tierischen Protagonisten finden die Hass- und Mordgeschichten, die ihnen von den drei Männern als „heilige Wahrheit“ dargeboten werden überhaupt nicht toll und kommen zu dem Schluss „wer Gott nicht kennt, der braucht ihn nicht“. Nach Ansicht des Bundesverblödungsfamilienministeriums werden die drei Religionen „verächtlich“ gemacht und die Kritik am Alten Testament ist nach dem Dafürhalten des Ministeriums „antisemitisch“. Wer allerdings Bibel und Koran einmal gelesen hat, der ist verwundert über diesen Antrag, da die religiösen Horrorgeschichten in diesem Buch noch kindgerecht sanft daherkommen. Die komplette Story, samt Indizierungsantrag im Wortlaut gibt es bei hpd-online.

Gegen den religionsapologetischen Schwachsinn des Ministeriums haben die Autoren auf www.ferkelbuch.de eine Seite mit Hintergrundinformationen und einer Petitionsliste gegen die Indizierung eingerichtet.


Jesus, Jungfernzeugung und Stammzellforschung

Dezember 24, 2007

Alle Jahre wieder feiert der gemeine Christenmensch die Geburt einer seltsamen Gestalt: Jesus. Im Grunde kennt jeder die Widersprüche, die sich um den Mythos des Messias ranken. Von der Fehlinterpretaion, dass Maria eine Jungfrau gewesen sei (statt einer jungen, verheirateten Frau) oder das Jesus ein Nachfahre des legendären König Davids sei (dessen Historizität man bezweifeln darf und die in den Evangelien angegebenen Stammbäume von David zu Josef, die sich in Anzahl der Generationen widersprechen und kaum namentliche Übereinstimmungen aufweisen). Dann kann man natürlich noch sagen, dass weder die Volkszählung noch der Kindermord des Herodes jemals stattgefunden haben. Und die drei Weisen aus dem Morgenland sind doch relativ erbärmliche Plagiate aus dem Zarathustra-Kult und die Massenspeisungen mit einer Handvoll Brot und ein bisschen Fisch, stimmt sowohl was die Nahrungsmittel, als auch die Zahl der Menschen angeht exakt mit einer Episode des Gilgamescheposes überein.

Doch nehmen wir einmal für einen kurzen Moment an, die Geschichte von Jesus wäre in allen Einzelheiten korrekt, was ja überraschend viele, sich selbst als intelligent bezeichnende Menschen heute noch tun. Welche Aussage trifft sie? Welche Bedeutung soll ihr zukommen? Und: Welche Vorstellung von Moral vermittelt sie?

Ghostbusters!

Im Grunde ist die Geschichte ja schnell erzählt: Gott liebt die Menschen über Alles und ist über den Sündenfall sehr betrübt. Daraufhin beschließt er seinen „menschlichen“ Teil in Maria zu „pflanzen“. Neun Monate später kommt der kleine Menschengott Jesus zur Welt (nach der koranischen Weihnachtsgeschichte kommt der kleine Jesus zwar als Baby, aber schon mit der Fähigkeit zu sprechen und die Ungläubigen zu verdammen auf die Welt). Der kleine Jesus, halb Mensch, halb Gott, entpuppt sich schnell als Messias, der von den Weisen aus Persien und später von Johannes dem Täufer als solcher erkannt wird. Er zieht predigend durch das römisch besetzte Galiläa (heute Israel, vormals Palästina) und vollbringt zahlreiche, mehr oder weniger beeindruckende „Wunder“. Dann wird er verraten und zur Tilgung der Erbsünde (durch das Essen eines Apfels von Adam verursacht) an einen Baumstumpf genagelt und verstrirbt nach wenigen Stunden. Dann das „Wunder“: Sein Leichnam verschwindet, er ist „wiederauferstanden“.

Nun gut. Beantworten wir nun oben erwähnte Fragen. In erster Linie soll die Geschichte zeigen, wie sehr Gott die Menschen liebt, indem er in einem bedeutungslosen Teil des Römischen Reiches sich selbst inkarniert und sich hinrichten läßt, um dann wieder aus dem Grab zu kriechen und zu erklären, wer die Geschichte glaubt sei frei von der Erbsünde. Warum ein allmächtiger Gott so einen Quatsch macht sei dahingestellt. 

Doch welche Moral vermittelt diese Geschichte? Schauen wir einmal ins Alte Testament. Dort findet sich das Motiv der Kindsopferung ebenfalls. Zum einen wäre da die Geschichte von Abraham und Isaak. Der postsenile Abraham erhält den göttlichen Auftrag seinen Sohn Isaak zu töten und erst in letzter Sekunde wird er von Gott himself wieder davon abgehalten; „War nur’n Test, A.B.!“ Weniger Glück hatte da der Heerführer Jeftah. Als die Juden wieder einen ihrer nervtötenden Kleinkriege gegen einen Nachbarstamm führten und sie zu verlieren drohten, versprach Jeftah seinem Gott, wenn sie gewinnen, dass erste lebende Wesen zu opfern, dass ihm von seinem Hof entgegen käme. Jetzt läuft die Geschichte wie gehabt: Jeftah gewinnt die Schlacht, kehrt heim und ach oh Wunder seine Tochter eilt ihm entgegen. Jeftah erklärt ihr den Sachverhalt und schon lässt sie sich von ihrem Vater auf koschere Art und Weise die Kehle durchschneiden und auf dem Scheiterhaufen verbrennen. In diesem Sinne ist der Kreuzestod Jesu nur die Fortsetzung dieser älteren Geschichte von Menschenopfern. Man kann sagen: Erst kuckt Gott, ob jemand blöd genug ist sowas zu machen, dann lässt er es machen und zum Schluss macht er es mit sich selber, also die Kindsopferung . . .

Doch welche Moral vermittelt uns diese Geschichte? Offensichtlich ist es Gottes Wille, die eigenen Kinder im Dienste einer höheren Sache zu opfern. Davon abgesehen, dass niemand ausser Selbstmordterroristen diese Moral tatsächlich ernst nimmt und in die Tat umsetzt, scheint doch der christliche Einwand gegen embryonale Stammzellforschung auf relativ wackeligen Füssen zu stehen. Folgt man dieser moralischen Schlussfolgerung, die sich, wenn man die Bibel ernst nimmt, unweigerlich aufzwingt, müssten es gerade christliche Paare sein, die embryonale Stammzellen massenweise der medizinischen Forschung zur Verfügung stellen, um im Dienst der Heilung Kranker ihren christlichen Dienst zu leisten.

In diesem Sinne: Auf, auf Ihr Christenmenschen, gebet Eure Kinder zum Wohle Eurer Nächsten!